Projekt Sigmundsherberg-Geras

Bildschirmfoto 2015-04-16 um 10.20.51

Hier die wichtigsten Gutachten zu Sigmundsherberg:

DIGrimm_GZ11214G_WA20_Landschaftsbild_end

Orn Stellungnahme Widmung Kainreith_Walkenstein LS Nov2014

Eingabe Lechthaler Sigmundsherberg

Walkenstein_Panorama_small2

 

 

 

506 Einsprüche zu Änderungen des örtlichen Raumordungsprogramm  (Umwidmung von Grünland_Wald in Grünland_Windindustrie) sind bis 26. November 2014 in der Marktgemeinde Sigmundsherberg, Hauptstraße 50, 3751 Sigmundsherberg eingelangt.

Es handelt sich um Einwendungen zu den geplanten Windpark in Walkenstein, Kainreith auf Gemeindegebiet Sigmundsherberg. Das Waldgebiet liegt auf einem wichtigen Wildtierkorridor, Elche wurden in den vergangenen Jahren gesichtet, ebenso Funde von Wildrissen durch Luchse.

Wildtierkorridor Wild, Sigmundsherbeg Meiseldorf

Bildschirmfoto 2014-09-06 um 22.45.14plan walkenstein_0586Nun ist es von Experten bestätigt: Das obere Pulkautal ist naturschutzfachlich von hoher Bedeutung, beherbergt es doch eine große Anzahl geschützter und seltener Tiere wie Raubwürger, Uhus, Schleiereulen, Waldohreulen und Baumfalken. Die Pulkau schlängelt sich als mäandrierender Fluß durch Feuchtwiesen, die dem Schwarzstorch reichlich Futter bietet, weswegen er sich gerne in dem Gebiet aufhält.

Sowohl der Wald oberhalb von Walkenstein /Kainreith als auch der Herrschaftswald in unmittelbarer Nähe zu Sigmundsherberg werden von seltenen Großtierarten auf dem Wildtier-Wanderweg durchquert, der Elch wurde mehrmals gesichtet und Luchsspuren ausfindig gemacht. Ein störungsfreier Wildtierkorridor ist wichtig für die Verbreitung und den Genaustausch von Wildtierarten. Einer dieser Wildtierkorridore führt durch das Pulkautal. Von 28 Fledermausarten leben 20 Arten in hoher Population im Pulkautal, darunter besonders gefährdete und streng geschützte Arten wie die Mopsfledermaus, der Abendsegler und die Fransenfledermaus.

 

„Wir haben schon immer gewußt, dass unser Wald ein wunderschönes Naturgebiet ist, aber so eine Bestätigung von Experten baut uns auf“ meint Gerlinde Schneider aus Neubrugg. Die Windkraftgegner setzen sich weiterhin für den Schutz des Oberen Pulkautales ein: Warum wertvolle Naturressourcen zerstören, um „umweltfreundliche“ Energie durch Windindustrianlagen zu erzeugen?

Wo andere Gemeinden einen Naturpark gründen würden, hofft der Gemeinderat von Sigmundsherberg auf die Errichtung der 200m Windkraftanlagen. Noch bis 26. November können Einsprüche zu den geplanten Umwidmungen in Grünland-Windindustrie am Gemeindeamt in Sigmundsherberg abgegeben werden. Diesmal dürfen alle Personen einen Einspruch abgeben die sich betroffen fühlen, also nicht nur Bürger der Gemeinde Sigmundsherberg.

 

Kritik an mangelhaften Gutachten

 

Dr. Wolfgang Lechthaler, Biologe, kritisierte als Fachexperte die Qualität der zur SUP (Strategischen Umweltprüfung) vorgelegten Fachgutachten der Windkraftfirmen Simonsfeld, WEB und EVN.

Im oberen Pulkautal sind die zwei Windparks „Sigmundsherberg“ und „Meiseldorf Nord“ geplant. Dr Lechthaler kritisiert, dass immer die gleichen Gutachter zu geplanten Windkraftprojekten beauftragt werden, die wiederum in einem Naheverhältnis zur Windkraft-Lobby stehen. Unabhängige Büros werden mit den Umweltprüfungen nicht betraut. Etwaige Hindernisse werden verschwiegen und die Daten so manipuliert bzw. die Ergebnisse und Schlussfolgerungen so formuliert, dass Auswirkungen auf die Schutzgüter Vögel, Fledermäuse und den Menschen, sowie auf das Landschaftsbild nicht oder nur in vernachlässigbarem Ausmaß zu erwarten sind.

So ist bekannt, dass der Schwarzstorch im Oberen Pulkautal brütet und der Windpark Meiseldorf aus Artenschutzgründen deshalb gar nicht errichtet werden darf. Der Nachweis des Schwarzstorchs als Brutvogel hätte eigentlich vom Naturschutz-Gutachter erbracht werden müssen. Da dies jedoch das Aus für den Windpark bedeutet hätte, wurde der Horst im Gutachten nicht erwähnt und die beobachteten Schwarzstörche lediglich als Nahrungsgäste oder Durchzügler eingestuft. Selbiges geschieht auch bei den Fledermäusen: Im Oberen Pulkautal zählt die Mopsfledermaus, eine vom Aussterben bedrohte und streng geschützte Art, zu den häufigsten Fledermäusen. Diese Art ist durch Windräder in Wäldern akut gefährdet, weshalb die Errichtung der Windparks im Oberen Pulkautal aus Gründen des Artenschutzes untersagt werden müsste. Die Vorgehensweise, seltene Tierarten zu verschweigen, Wildtierkorridore abzuändern und die Umweltauswirkungen der Projekte in den Waldstandorten als vernachlässigbar darzustellen, wurde bisher bei allen strategischen Umweltprüfungen für Windparkprojekte im Waldviertel durchgezogen.

Die Bürgerinitiativen im Horner Bezirk haben unabhängige Gutachter beauftragt, juristische und ökologische Fachgutachten zu erstellen. Diese bestätigen den hohen ökologischen Wert der Standorte im Pulkautal und widersprechen den Ausführungen der Gutachter der SUP. Dr. Lechthaler hofft, dass die zuständigen Behörden der NÖ Landesregierung die Gutachten der Windkraftfirmen wegen mangelhafter Qualität ablehnen und ersucht, Windkraftwerke in Waldstandorten generell zu verbieten. Dr. Lechthaler dazu: Die Errichtung dieser Anlagen in Wäldern zerstört den Lebensraum zahlreicher gefährdeter Tierarten und ist mit den Zielen eines modernen Natur- und Landschaftsschutzes nicht vereinbar.

Alfred Schmudermayer:

Wie vielfältig die Wirkung von 200m hohen WKA in der Landschaft sind, hat Dr. Werner Nohl, (Werkstatt für Landschafts- und Freiraumentwicklung, München) zusammengefasst [Quelle: Nationalparks Austria Magazin-11.13, S. 44 f.]

.) „Maßstabsverlust“: 200m hoch sind sechsmal so hoch wie die höchsten Objekte rundum, die gewohnten Verhältnisse sind außer Kraft gesetzt.

.) „Eigenartsverlust“: es kommt zu starker Beeinträchtigung des, besonders für das Waldviertel, typischen Landschaftscharakters. Ist das noch unsere Heimat?

.) „Strukturbrüche“: das natürliche Gliederungsgefüge der Landschaft wird durch landschaftsfremde technische Bauwerke außer Kraft gesetzt.

Ing. Alfred Schmudermayer: Stellungnahme GZ. 10.700-02/14SUP Windpark Meiseldorf Nord3

.) „Belastung der Fernsicht“: WKA beherrschen Sichtkorridore durch ihre Größe und Dynamik und lenken von landschaftseigenen Zielobjekten ab.

.) „Horizontverschmutzung“: WKA heben sich dominant von der waagrechten Horizontlinie und verhindern das ästhetische Erlebnis des Übergangs Himmel-Erde.

.) „Sichtverriegelung“: durch eine Anhäufung von WKA in Windparks kommt es zu Sichtblockierung, attraktive Fernziele werden nicht mehr wahrgenommen.

.) „Zerstörung exponierter Standort“: ästhetisch besonders wertvolle Geländeeigenheiten (Hänge, Terrassen, Kuppen) werden durch die Errichtung von WKA, die wegen des Windangebotes bevorzugt an diesen Stellen errichtet werden, entwertet.

.) „Nivellierung der Landschaft“: durch die Wiederkehr des „ewig Gleichen“ sorgen die Windparks für eine visuelle Verarmung und eine globale Nivellierung von Natur und Landschaft, insbesondere in der kleinräumig angelegten Struktur des Waldviertels.

.) „Belastende Rotorbewegungen“: die landschaftsfremde Bewegung der Rotoren wirkt als Blickfänger und lenkt vom übrigen Landschaftsbild ab.

.) „Verlust der natürlichen Stille“: aufgrund der Dauergeräusche im näheren Umfeld geht das akustische Naturerlebnis des Standortes verloren.

.)Störungen des Nachterlebnisses“: die Befeuerung weit über dem Horizont beeinträchtigt die, bei uns noch gut erlebbare, Nachtlandschaft.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Errichtung von WKA auf die Dauer eine psychische Auswirkung auf die Bevölkerung haben wird, Insbesondere unseren Kindern wird, bei allen Nachteilen, die das Leben im Waldviertel mit sich bringt, der positive Effekt der Naturnähe, aufgehoben und die Landschaft nur mehr als Objekt der Ausbeutung für Energie gesehen.