Sigmundsherberg und Stift Geras setzen weiter auf lahmes Windkraft-Pferd

Der Wald in der vom Land NÖ freigegebene Windkraftzone WA 20 soll millonenschweren Konzernträumen geopfert werden. 

von Mario Lackner

Ich möchte heute zu den in den Tips Horn in deren Print-Ausgabe vom 4. September zitierten Aussagen von Abt Michael Proházka und Bürgermeister Franz Göd Stellung beziehen, die als große Befürworter der gigantischen Kraftwerkpläne am Gemeindegebiet von Sigmundsherberg offenbar blind den Einflüsterungen der PR-Spezialisten gewisser Energiekonzerne Vertrauen schenken.

 

Ich vermisse bis dato bei beiden Würdenträgern eine ernste persönliche Auseinandersetzung mit den berechtigten Einsprüchen sowohl aus der Bevölkerung als auch aus Expertenkreisen. Ich verstehe nicht, wozu Abt Michael abgedroschene Stammtischweisheiten à la “Wer gegen die Atomkraft ist, muss ohne wenn und aber für die Windkraft sein” öffentlich vertritt, wenn doch längst jeder weiß, dass auch wenn wir 100 oder gar 1000 Kraftwerktürme von 200(!) Meter Höhe in unsere Landschaft stellen kein einziges AKW in Tschechien abgeschaltet werden wird. Die Regierung in Prag lässt sich in ihre Energiepolitik ebenso wenig dreinreden wie unsere in St. Pölten oder Wien durch kritische Stimmen aus Tschechien oder anderswo.

 

Weshalb setzen sich der Abt des Stiftes Geras und Sigmundsherbergs Bürgermeister so vehement für genau diese Form der Nutzung von Alternativenergien ein? Es gibt ausreichend andere, umweltschonendere Möglichkeiten, die den Wert von Grund und Boden in unserer Gegend nicht in Gefahr bringen würden wie der geplante Windpark, der doch wirklich ein Nachzügler einer längst überholten und veralteten Entwicklungsdenke wäre!

 

Gehen wir doch zukunftsweisende, nicht unsere Zukunft (und Landschaft!) verbauende Wege.

 

Das Argument von Franz Göd, dass durch die Kraftwerkriesen zusätzliches Geld in die Gemeindekasse gespült wird, ist auch nicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass das Land Niederösterreich möglicherweise seinen Gemeindebudget-Zuschuss reduzieren wird, sobald Sigmundsherberg sein Defizit aufgrund höherer Einnahmen verringern kann.

Was bliebe dann im Falle des Falles vom “größten Bau seit der Errichtung der Franz-Josefs-Bahn”? Ein Nullsummenspiel in der Gemeindekassa, viel zerbrochenes Porzellan zwischen Politik, Kirche und Bevölkerung und eine vertane Chance unserer Region eine Zukunft jenseits des Ausverkaufs an Banken und Energiekonzerne zu bieten.

 

Da sagt uns doch der Hausverstand runter vom Gas, innehalten, sich mit allen an einen Tisch setzen und bessere Lösungen mit und nicht gegen Natur und Bevölkerung suchen und schlussendlich auch finden.

Als großer Befürworter der Energiewende frage ich mich, wie viel Aufregung diese 200 Meter(!) hohen Windkraftwerke eigentlich noch auslösen müssen, bis auch der letzte Bürgermeister bei uns erkennt, dass diese waldzerstörende Art der Windkraftnutzung nicht ins Waldviertler Wohlviertel passt? Ich frage Sie, was haben zig Kraftwerk-Giganten mit Wohlfühlen und positiver Regionalentwicklung zu tun? (siehe auch Brief an den NÖ-Landtag)

 

 

Andere Windkraft-Technologien (nicht im Wald, sondern dort, wo sie gebraucht werden!) sind umweltschonender und ungefährlich – wieso also kein Umschwenken, warum keine bessere Lösung, bevor beispielsweise die Verträge zur Errichtung des Windparks an der Gemeindegrenze von Geras und Sigmundsherberg unterzeichnet werden?

Wer glaubt nach eingehender Beschäftigung mit dem Thema ernsthaft noch das Ammenmärchen der gewinnorientierten Firmen, die sich jetzt schnell noch auf Kosten von uns Steuerzahler*innen Landesfördergelder einverleiben und uns weismachen wollen, dass von den Kraftwerktürmen jeder und jede profitiert? Hört sich das nicht an wie ein lupenreiner PR-Schmäh?

 

Die 25 tschechischen Bürgermeister in der angrenzenden Region Vranovsko haben sich im Jänner nicht aus Boshaftigkeit gegen ein noch bedrohlicheres Windpark-Projekt einige Kilometer weiter nördlich ausgesprochen. (vgl. Frainer Proklamation) Sie haben sich aber nicht von den PR-Strategien in NÖ tätiger Energiekonzerne blenden lassen und sind sich bewusst, was sie zu verlören, wenn die Windkraftriesen in die Landschaft gepflanzt würden:

 

* Einnahmen aus dem Tourismus,

* die einzigartige Kultur- und Naturlandschaft,

* Wert von Grund und Boden und

* die Möglichkeit tatsächlich sinnvolle, innovative und zukunftsweisende Zeichen für die Energiewende zu setzen.

 

Erfreulicherweise realisieren nicht nur auf der anderen Seite der Grenze, sondern auch hier im Bezirk Horn mehr und mehr Gemeinderäte, dass die geplanten (in der Nacht wie ein Flughafen rot blinkenden) Windparks sehr gut an den Rand von Großstädten und Autobahnen passen, wo die entsprechenden Hochspannungsleitungen die Landschaft durchziehen. Mehr und mehr Politiker setzen nicht weiter auf lahme Windkraft-Pferde, sondern auf bestmögliche Lösungen im Bereich der erneuerbaren Energien, durch die unsere Regionalentwicklung einen Aufschwung erhält und nicht (wie im Falle der Windparks) blockiert wird. (vgl. auch NÖN-Kommentar)

Wann sind diese Politiker*innen auch in Geras und Sigmundsherberg nicht mehr in der Minderheit? Wann satteln die dortigen Gemeinderäte um, für das Allgemeinwohl, für uns alle?

 

fragt Mag. Mario Lackner, Entwicklungsforscher und Politikberater

Scroll to Top