Radiokolleg – Grüne Konflikte

news@orf.at, 07.Mai 2013 09:05

orf_news_logoDie Schattenseiten der Energiewende (2).
Gestaltung: Johannes Kaup

Im Waldviertel entzündet sich ein Streit um geplante Windparks in der Bevölkerung. In Tirol und Salzburg gibt es heftige Kontroversen angesichts von projektierten Wasserkraftwerken. Im oststeirischen Thermenland gehen die Wogen hoch wegen eines Großglashausprojekts, weil es den Thermentourismus und die Wasserqualität beeinträchtigen könnte. Auch die vor einigen Jahren noch als Hoffnung bezeichneten „Agrar-Treibstoffe“ sorgen nun angesichts der deutlich gewordenen nachteiligen Effekte für zunehmende Ablehnung. Konflikten wie diesen ist eines gemeinsam: Es sind „grüne“ Konflikte. Sowohl die Gegner als auch die Befürworter sind grundsätzlich von der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung und einer Energiewende überzeugt. Aber bei den dazu geplanten Projekten und Maßnahmen scheiden sich die Geister radikal.

Wo verbrauchen wir heute die meiste Energie?

Über den Daumen gepeilt lässt sich sagen: Ein Drittel bei der Energieversorgung, Heizung und Kühlung von Gebäuden; ein Drittel verbraucht die Wirtschaftsproduktion und ein Drittel entfällt auf die Mobilität. 30 Prozent seines Energiebedarfs deckt Österreich bereits mit Erneuerbaren Energien ab. Damit liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld.

Grundsätzlich ist den meisten eines klar geworden: Nichts geht in unserer Gesellschaft ohne Energie. Unser Lebensstil in der nordwestlichen Hemisphäre ist weiterhin enorm energieintensiv. Wir leben in einer Energiegesellschaft. Noch nie hat eine Gesellschaft so viel Energie verbraucht, wie die unsere. In Österreich ist der Energieverbrauch in den letzten 25 Jahren um 75 Prozent gestiegen. Momentan ist noch keine Trendwende in Sicht. Für unser heutiges Leben ist deshalb ein vernünftiger Energieeinsatz eine zentrale Herausforderung der Zukunft.

Das Land Niederösterreich hat einen ehrgeizigen „Energiefahrplan 2030“ vorgestellt. Demgemäß soll bis 2020 die Hälfte der verbrauchten Energie von erneuerbaren Energieträgern kommen: Wasserkraft, Biomasse, Photovoltaik und Windkraft. Vor allem die Zahl der Windkraftanlagen soll verdoppelt werden.

Grüner Konflikt in Niederösterreich

In der Gemeinde Groß Siegharts, am Predigtstuhl, plant die WEB Windenergie AG die Errichtung von fünf modernen Windrädern mit einer Gesamthöhe von 200 Metern. Das ambitionierte Projekt spaltet die Bevölkerung. Ein Teil ist dafür und will, dass die Region auch von den wirtschaftlichen Vorteilen einer Energiewende profitiert. Ein anderer Teil lehnt das ab mit dem Hinweis auf die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, der Nachteile für den Tourismus und die Entwertung der betroffenen Grundstücks- und Immobilienpreise.

Die Europäische Union hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, den Primärenergieeinsatz in allen EU-Staaten bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu verringern bzw. um 30 Prozent, sofern es zu einem neuen weltweiten Klimaschutzabkommen kommt. Die EU hat einen Fahrplan zur Energiewende ausgearbeitet, der zum Ziel hat bis zum Jahr 2050 fast vollständig aus der Nutzung der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas auszusteigen. Das bedeutet eine Reduktion des Co2-Ausstoßes von 85-90 Prozent im Vergleich zu heute. Es gibt drei Maßnahmen zur Steuerung der Treibhausgas-Emissionen und zur Erlangung von Energiesicherheit: Energieverbrauch einsparen, Energieeffizienzsteigerung und den forcierten Einsatz von Erneuerbaren Energien. Aber gerade um letztere Maßnahme ist in Österreich in verschiedenen Regionen ein Streit entbrannt.

Wie kann eine Energiewende angesichts dieser vielfältigen Interessenskonflikte gelingen? Welche erneuerbaren Energieträger sind wo am besten geeignet? Was bringen erneuerbare Energien und die daraus produzierten Gewinne? Welche Risiken und Nebenwirkungen haben diese Projekte in den betreffenden Gemeinden? Welche Rolle spielt dabei die Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung am Ort dieser Projekte? Wie sollte die Politik auf diese Situation reagieren?

Johannes Kaup hat sich auf den Weg gemacht um mit Betreibern, Betroffenen, politisch Verantwortlichen und mit Wissenschaftern Konflikte und Lösungsmöglichkeiten auszuloten.