EAA-Energie Talk: Das Paradoxon negativer Strompreise! Kann sich Europa die Energiewende leisten?

Wien(OTS), 16.05.2013

EAA-Energie Talk: Das Paradoxon negativer Strompreise! Kann sich Europa die Energiewende leisten?Das Paradoxon negativer Strompreise und die aktuellen Verwerfungen am Energiemarkt waren die Themen des hochkarätig besetzten EAA-Energie Talk im Ringturm. Es diskutierten der Ökonom Hubertus Bardt, Mondi E&I-CEO Peter J. Oswald und Josef Plank vom Dachverband Erneuerbarer Energien.

Die Auswirkungen der Europäischen Energiepolitik standen gestern, Mittwoch beim Energie Talk der EAA-ENERGIEALLIANZ Austria im Mittelpunkt einer spannenden und brisanten Diskussion, im Ringturm der Vienna Insurance Group.
Die Vorgeschichte: In Deutschland war es in den Weihnachtstagen
2012 nach einer Starkwindfront zu Produktionsspitzen großer Windparks
gekommen. Das führte einerseits zu einer Überbeanspruchung des
Stromnetzes und in der Folge an der Börse zur paradoxen Situation von
negativen Strompreisen: das Überangebot traf auf schwache Nachfrage –
auch in Österreich. Unter normalen Marktregeln, hätte das die Preise
in den Keller getrieben. Aber in dem durch Subventionen verzerrten
Markt waren die negativen Energiepreise etwa für Produzenten von
Wind- und Solarstrom trotzdem ein gutes Geschäft. Gegenwärtig
erreichen die Auswirkungen dieser nachhaltigen Marktverzerrungen eine
Größenordnung, die deutliche Standortnachteile für ganz Europa zur
Folge hat. Das beunruhigt Verbraucher, die Industrie und
Energieunternehmen gleichermaßen und schadet darüber hinaus
paradoxerweise auch der Umwelt. Zu dieser Einschätzung kamen MMag.
Peter J. Oswald, Executive Director Mondi Group and CEO Europe &
International, Dr. Hubertus Bardt, stellvertretender Leiter
Wirtschafts- und Sozialpolitik am Institut der deutschen Wirtschaft
Köln, und DI Josef Plank, Präsident des Dachverbands Erneuerbare
Energien Österreich. Es sei völlig offen, wie die EU und die
europäischen Nationalstaaten mit diesen neuen Herausforderungen
umgehen werden.
Es fehlt an Innovation und Wettbewerb
Sie beurteilten die aktuelle Lage auf dem Energiemarkt als
„absurd“ und „gefährlich“. Sie waren sich auch darin einig, dass der
permanente auf Jahre hinweg fixierte Subventionsautomatismus
erneuerbarer Energien eine der Ursachen des Problems ist. Bardt: „Die
Förderung nimmt keine Rücksicht darauf, wann Strom produziert wird.
Aber wir sind derzeit technologisch gesehen noch nicht flexibel
genug, um nachfragegemäß zu liefern. Es fehlt an Innovation,
Effizienz und Wettbewerb.“
Klare Regeln nötig
Peter J. Oswald kritisierte die gegenwärtige Tendenz zur
Planwirtschaft im Zusammenhang mit Energie in der EU und in
Österreich: „Zwar sind gewisse staatliche Eingriffe auf dem
Strommarkt notwendig, aber heute fehlen klare Regeln. Sinnvoll wären
Anschubfinanzierungen und Investitionen in Forschung und
Entwicklung, aber keine Dauersubventionen. Die aktuelle
Energiepolitik gefährdet den Standort Europa. Wir brauchen eine neue
Basis, um die Industrie zu erhalten, und fordern von der Politik
tragfähige Rahmenbedingungen.“ Während Oswald in der
US-amerikanischen Wirtschaft vor allem aufgrund der niedrigen Gas-
und Energiepreise eine Aufbruchsstimmung wahrnimmt, sehe er momentan
in Europa ein wenig investitionsfreundliches Klima.
CO2-Reduktion weiter vorantreiben
Josef Plank vom Dachverband Erneuerbare Energien hinterfragt das
„aktuelle Marktdesign. Auch wenn es keinen Zweifel an der
Erweiterung erneuerbarer Energien und an der Reduktion des
CO2-Ausstosses geben kann.“ Ein großes Problem sieht er in der
„Nicht-Abstimmung innerhalb der EU“. Er fürchtet, diese werde
aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslagen aller Beteiligten auch
nicht so schnell kommen. Dem stimmt auch Bardt zu: „Die Energiewende
soll in 39 Jahren vollzogen sein. Das sind zehn Legislaturperioden.
Welcher Politiker überblickt heute so eine Zeitspanne?“ Trotzdem, so
der einhellige Tenor, müsse man die CO2-Reduktion vorantreiben, da es
dazu keine Gegenvorschläge gebe.
Wettbewerb und Innovation als Rezepte für die Zukunft
In der Initialphase der Erneuerbaren Energie war das momentane
Fördersystem durchaus vertretbar. Man sei bei Dimensionen angekommen,
bei denen das System dringend zu überdenken wäre. Wobei
Systemänderungen wie etwa die erforderlichen Anpassungen der
Förderpolitik in Deutschland in jedem Fall aus gesamteuropäischer
Sicht zu beurteilen seien. Für die Änderung der paradoxen Situation
auf dem Energiemarkt wäre eine bessere europäische Abstimmung und
Vernetzung hilfreich, so der Tenor. Noch wichtiger wäre ein stärkerer
europäischer Wettbewerb. Der würde laut Bardt dazu beitragen,
„Effizienzen zu heben und Kosten zu sparen“. Ein weiterer Ansatz ist
die Änderung der Förderpolitik: Statt die Massenproduktion in den
Bereichen Wind und Sonne zu fördern, sollte die Politik in Europa
laut Bardt die Innovationsförderung forcieren: „Wir brauchen
Innovationen in High-Tech.“ Peter Oswald wiederum argumentiert, dass
“ eine Abkehr von starren Gedankenmustern hin zu innovativeren
Ansätzen und neuen Technologien erforderlich“ sei, um zu einer
grüneren und nachhaltig besseren Zukunft zu kommen: „Das sind wir
unseren Kindern und den uns nachfolgenden Generationen schuldig,“
sagte Oswald. Und Josef Plank bekräftigt: „Der Weg zurück ist keine
Alternative. Es muss uns vielmehr gelingen, die Energiewende zu einem
wirtschaftlichen Erfolg zu machen.“